ÿþ<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.0 Transitional//EN"> <HTML> <HEAD> <META HTTP-EQUIV="CONTENT-TYPE" CONTENT="text/html; charset=windows-1252"> <TITLE>Geschmöker. Lifestyle-Zeitschriften unter der Lupe</TITLE> <META NAME="AUTHOR" CONTENT="Dr. Ulrike Ritter"> <META NAME="DESCRIPTION" CONTENT="Lifestyle-Zeitschriften unter der Lupe"> <META NAME="KEYWORDS" CONTENT="Lifestyle, Zeitschriften, Ulrike Ritter, HERZERL"> <STYLE> <!-- @page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } TD P { margin-bottom: 0cm } --> </STYLE> </HEAD> <BODY LANG="de-DE" DIR="LTR"> <BR> <P STYLE="margin-bottom: 0cm; background: #996633"><FONT COLOR="#ffff00"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif"><FONT SIZE=5><B>Geschm&ouml;ker. Was es ist und warum es ist.</B></FONT></FONT></FONT></P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><IMG SRC="geschmoeker_html_61f4983b.gif" NAME="Grafik1" ALIGN=LEFT WIDTH=250 HEIGHT=400 BORDER=0><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif"> Eigentlich ja der Inbegriff der Entspannung: Herumschm&ouml;kern in Zeitschriften, die der Unterhaltung oder Information dienen, optimaler Weise der unterhaltenden Information oder der Information &uuml;ber weitere Unterhaltung. Ist es noch &uuml;blich, kommt man dazu und was liest man - oder &quot;Frau&quot; oder wir? Was lese ich ? Die Frage, so repr&auml;sentativ auch immer (Buch- und Kulturautorin, freiberufliche Lehrerin, K&uuml;nstlerin, Fotografin, kinderloser Single mit Haustieren, Wohn-Haft in Bayern usw.) wir sie beantworten k&ouml;nnen, wird aktuell durch verschiedenste Ph&auml;nomene, die uns aus Regalen, von Theken und aus Briefk&auml;sten quasi ins Gesicht springen: Im Briefkasten regelm&auml;&szlig;ig pro Woche drei gleichbleibend professionell provinzielle Anzeigenbl&auml;tter mit den wichtigen Regionalinformationen und winzigen redaktionellen Beitr&auml;gen. Eines davon sogar aus dem Verlag der regionalen Tageszeitung, die sich so selbst Konkurrenz macht. Schuld am Niedergang ist ja nicht etwa, dass man h&ouml;chstens zwei Artikel aus der t&auml;glichen Nachrichtenschublade konsumieren kann, die Zeitung gemessen daran aber viel zu teuer ist und die w&ouml;chentliche Verbringung zum Wertstoffhof &uuml;berm&auml;&szlig;ig beschwert. Nein, Schuld daran ist das Internet, denn das Internet ist ja bekanntlich immer schuld, zumal es durch seine &Uuml;berregionalit&auml;t keine politische Berechenbarkeit gew&auml;hrleistet, wie die regionalen Tageszeitungen. Die Anzeigenbl&auml;tter also liefern das, was man in den Fernsehnachrichten und dessen regionaler Berichterstattung nicht findet, Informationen &uuml;ber B&uuml;rgermeister, Vereine und lokale Veranstaltungen. Zeitungen sind und bleiben also, auch weil die Artikel zumeist viel zu kurz, viel zu langweilig und h&auml;ufig voller Fehlinformationen sind, interessant genau dann, wenn man dort Berichte &uuml;ber sich selbst findet. Kommen wir zum Thema. </FONT></FONT> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><BR> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif">Aus den Regalen der Superm&auml;rkte und Bahnhofkiosks schauen sie uns an: weibliche Model-Gesichter in unendlicher Folge. Fernsehzeitschriften und Frauenzeitschriften dienen mit ihren Covern nahezu als Gipskopf-Ersatz - da uns, den weiblichen Leserinnen, ja zumeist die Ehrung durch &ouml;ffentliche Pr&auml;sentation unseres Kopfes in Gips oder Kupfer nicht verg&ouml;nnt ist. Identifizieren wir uns aber geschickt mit der Idee des konventionalisierten sch&ouml;nen Frisur-MakeUp-Gesichts, verschwinden schnell alles Gef&uuml;hle mangelnder W&uuml;rdigung, denn die Gesichter sind in gewisser Weise mit etwas Aufwand alle relativ erreichbar. 80 % der Modelle sind dar&uuml;berhinaus &quot;nur Model&quot;, also pers&ouml;nlich unbekannt und nicht durch Fernsehserien in ihrem Erscheinen dopppelt gerechtfertigt - wie insbesondere die Germany's Next Topmodell Gesichter. Diese &quot;Promis&quot; erfreuen uns gleichzeitig damit, dass sie aus Film oder Fernsehen bekannt sind und zumeist sogar etwas &auml;lter, aber trotzdem sch&ouml;n. Der freundliche ProSieben-Sender hat strenggenommen damit angefangen, mit amerikanischen Serien auch &uuml;ber Vierzigj&auml;hrigen die Pflicht zu Attraktivit&auml;t und Jugendlichkeit wieder aufzuerlegen. Nun, sei's drum, dann sind wir (?) (hier muss nat&uuml;rlich ein Fragezeichen hin) eben wieder h&uuml;bsch. </FONT></FONT> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><IMG SRC="geschmoeker_html_4c5d09f5.jpg" NAME="Grafik3" ALIGN=LEFT WIDTH=221 HEIGHT=367 BORDER=0><IMG SRC="geschmoeker_html_6a9ead.jpg" NAME="Grafik2" ALIGN=LEFT WIDTH=227 HEIGHT=368 BORDER=0><BR> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif">Aber eben das Auff&auml;llige: auf den erw&auml;hnten Zeitschriften sind wir eigentlich nur Gesicht. Schwenkt der Blick dann zum Thema Mode, also zu den &uuml;blichen Flagschiffen wie Cosmopolitan oder Vogue, - schwupps, landet die Kamera auf Brusth&ouml;he und nimmt noch ein St&uuml;ck Oberk&ouml;rper dazu, also hier, H&uuml;ftportraits oder sogar mehr. Eine rechtliche Frage, die Eingipsung einfach das Bem&uuml;hen, kostenlose Werbung, Copyright-Eink&auml;ufe oder Nachfragen bei den Modeherstellern zu vermeiden? Der Blick schwenkt zu den Beauty-Magazinen: sicher der Grund. &quot;Kleid von&quot;, &quot;Schuhe von&quot;.. wird selbst bei Eventfotografien von Stars erw&auml;hnt, aber auf dem Cover, ohne dass es bezahlte Werbung ist, offenbar nicht. Hinter diesen netten W&uuml;rdigungsgesichtern stecken dann also die typischen Unterhaltungsinformationen: Mode, Body- und MakeUp Styling, etwas Freizeit und der &uuml;bliche Zickenterror, also, etwas Soziales f&uuml;r die beste Freundin usw. Was vermisse ich da blo&szlig;? Irgendetwas vermisse ich in diesen Zeitschriften immer, selbst wenn sie kostenlos sind wie die entsprechenden Magazine in den diversen Drogerien, die eigentlich den redaktionellen Zeitschriften &uuml;beraus &auml;hnlich sind, nur eben mit noch mehr Bildern von Produkten und den wunderbar praktischen Hinweisen auf die nur auf uns wartenden Ladenbest&auml;nde &quot;unserer&quot; Filiale vor Ort. </FONT></FONT> </P> <TABLE WIDTH=100% BORDER=0 CELLPADDING=0 CELLSPACING=0> <COL WIDTH=85*> <COL WIDTH=85*> <COL WIDTH=85*> <TR VALIGN=TOP> <TD WIDTH=33%> <P ALIGN=JUSTIFY><IMG SRC="geschmoeker_html_m41ea71fe.jpg" NAME="Grafik4" ALIGN=LEFT WIDTH=214 HEIGHT=348 BORDER=0><BR CLEAR=LEFT><BR> </P> </TD> <TD WIDTH=33%> <P ALIGN=JUSTIFY><IMG SRC="geschmoeker_html_m679ef2a9.jpg" NAME="Grafik5" ALIGN=LEFT WIDTH=214 HEIGHT=257 BORDER=0><BR CLEAR=LEFT><BR> </P> </TD> <TD WIDTH=33%> <P ALIGN=JUSTIFY><IMG SRC="geschmoeker_html_m3909229c.jpg" NAME="Grafik6" ALIGN=LEFT WIDTH=214 HEIGHT=157 BORDER=0><BR CLEAR=LEFT><BR> </P> </TD> </TR> </TABLE> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><BR> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif">Ich gehe dann mal los um mir so ein Zeitschriftending zu kaufen...ne, ich krame lieber etwas heraus. Und siehe da. Ich vermisse - Artikel ! Gut geschriebene, witzige. etwas l&auml;ngere Beitr&auml;ge, die mir das Gef&uuml;hl von t&auml;glicher Freiheit und dem Abenteuer des Hairstylings, der MakeUp-Experimente, der &ouml;ffentlichen Auftritte auf Ausstellungser&ouml;ffnungen, beim Job, bei Kunden, bei Events, bei Fotografen, in Restaurants, in Diskotheken, in Theaters etc vermitteln. Ich sehe mich eben dort um und stelle (insbesondere im S&uuml;den Deutschlands, wo die gro&szlig;en Verlagsh&auml;user, neben Hamburg, gerne sitzen) fest - offenbar sind bei fast s&auml;mtlichen Gelegenheiten fast s&auml;mtlichen Abonnentinnen, Gelegenheits- und Umsonstleserinnen von Frauen-, Mode- und Beautyzeitschriften die Inspirationen verloren gegangen. Vom Badezimmer bis hin zur Anita-Szene im &ouml;ffentlichen Brunnen in hei&szlig;en Sommern&auml;chten tr&auml;gt man irgendetwas, neuerdings wieder an Brust, Bauch und H&uuml;fte enger Anliegendes aus T-Shirt-Stoff oder &Auml;hnlichem in Beige und Grau. Erlaubt sind bei m&auml;&szlig;igen Temperaturen noch Jeans und Lederstiefel ohne jeden Pepp, die also vor allem ihre Echtheit und die Bereitschaft, Tiere zu t&ouml;ten, symbolisieren. Aber nichts gegen diesen Look, der an die guten deutsch-r&ouml;mischen Tugenden der edlen Einfalt und stillen G&uuml;te erinnert und diese &quot;inneren Werte&quot; - zu h&auml;ufig einfach Fantasielosigkeit und Bigotterie - allen t&auml;glich und st&uuml;ndlich und st&auml;ndig vor den Bug knallt. Nat&uuml;rlich nur als Anspruch, denn so unbescheiden darf man sein, zu behaupten, man k&ouml;nne dieses wunderbare und immer wieder aktuelle Ideal erreichen. G&uuml;te vielleicht, aber Einfalt....Nun gut, am Arbeitsplatz, um den m&auml;nnlichen Kollegen nicht f&uuml;r seine schlechte Laune zu entschuldigen, die er dann als erzwungene Aufgegeiltheit deklariert, vielleicht. Aber wie schnell ist man von der nahezu hochtrabend langweiligen Klamotte auch bei &Uuml;bergewicht, drahtigem oder schmusigem (?*) Dreitagebart....Na ja. Wer sympathisch ist, kann sich ja einiges erlauben. Oder wer aus irgendwelchen Gr&uuml;nden absto&szlig;en m&ouml;chte. Oder dick oder mit leichtem Bartwuchs auch gut aussieht... das &quot;Gesamtpaket&quot; eben z&auml;hlt. Aber ach, wie die j&uuml;ngste Topmodel-Entscheidung zeigte, auch wenn l&auml;ngst fast ganz Deutschland endlich kleine weibliche Models bzw. weibliche Models fordert, die nicht wie Transvestiten aussehen sondern eben wie Frauen, die konservativen Agenturen beharren starr auf ihren &quot;Werten&quot; wie sloganreife Beinl&auml;nge und - ebenso wirtschaftlich nachvollziehbar, aber eben dekulturalisierend - nahezu kindesbeinernde Jugend. Eigentlich im Kontrast zur Werbung...dort sehen wir im Vorabendprogramm auch freundliche Omis, gereifte Hausfrauen, mittelsch&ouml;ne Jugendliche, Identifikationsfiguren eben.</FONT></FONT></P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><IMG SRC="geschmoeker_html_m11972d7.jpg" NAME="Grafik7" ALIGN=LEFT WIDTH=356 HEIGHT=820 BORDER=0><BR CLEAR=LEFT><BR> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif">Und ein Viertelst&uuml;ndchen sp&auml;ter qu&auml;len uns die &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehsender mit einschneidenden Kontrastierungen zwischen beliebig aussehenden m&auml;nnlichen Schauspielern und ihren immer sch&ouml;nen weiblichen Kolleginnen. Besonders qu&auml;lend: der Typ der so beliebten Kommissarin. An der &ouml;ffentlich-rechtlichen Kommissarin l&auml;sst sich exemplarisch ablesen, wie Frauen in Deutschland von den Medien und Vorurteilen des Alltags, ohne dass es den RedakteurInnen oder KollegInnen immer bewusst sein m&uuml;sste, in den Wahnsinn getrieben werden. Maria Furtw&auml;ngler, blond, sch&ouml;n und &uuml;ber 1,80, erzielt bei der Ermittlung die h&ouml;chsten Zuschauerquoten Tatort Kommissarin &quot;S&auml;nger&quot;, Andrea Sawatzki, rothaarig, luchs&auml;ugig, riesengro&szlig;, offensichtlich Ex-Topmodel, tr&auml;gt R&ouml;ckchen und Oberteile mit Stiefel im Stil der Menschen, die &quot;Geist&quot; vor allem als amerikanischen Markennamen kennen - der Alltagslook der weiblichen Angestellten im besten Alter. Sie darf also unabh&auml;ngig von dieser reduzierten, nahezu uniformen Alltagskleidung etwas besser aussehen, um den Unterschied zwischen dem Vorzeigbaren und dem Alltg&auml;glichen, in Einfalt und G&uuml;te beharrenden, aufrechtzuerhalten. Iris Berben als Rosa Roth, ebenfalls sehr h&uuml;bsch, wenn auch einem normalen Alterungsprozess unterworfen, neben der Schauspielerei zugleich bekanntes Model. Eva Mattes, weniger h&uuml;bsch, nur Schauspielerin, weniger erfolgreich als Tatort-Kommissarin. Dann noch eine sch&ouml;ne Br&uuml;nette in Leipzig, schlie&szlig;lich noch der Mittvierzigernde Rotschopf Bella Block mit Literaturprofessor im Anhang - eigentlich nat&uuml;rlich unser Liebling. Eine Frau, die nicht nervt. Nicht vollkommen unattraktiv, nicht unerreichbar, kinderlos, nur lose gebunden, selbstst&auml;ndig, irgendwie kompetent. Nat&uuml;rlich m&uuml;sste sie viel h&auml;sslicher, viel peinlicher und viel sexistischer sein, um sich in der Realit&auml;t der Polizeistuben hochzuarbeiten. Der Irrealismus liegt also hier gerade darin, dass diese Sorte Frau fr&uuml;hestens mit etwa F&uuml;nfzig von Kollegen akzeptiert wird (in Bayern nat&uuml;rlich sowieso nicht). Und die anderen, warum treiben sie uns in den </FONT></FONT></P> <P ALIGN=RIGHT STYLE="margin-bottom: 0cm"><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif"> Wahnsinn? </FONT></FONT> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><BR> </P> <TABLE WIDTH=100% BORDER=0 CELLPADDING=0 CELLSPACING=0> <COL WIDTH=85*> <COL WIDTH=85*> <COL WIDTH=85*> <TR VALIGN=TOP> <TD WIDTH=33%> <P ALIGN=JUSTIFY><IMG SRC="geschmoeker_html_1b6ff30b.jpg" NAME="Grafik8" ALIGN=LEFT WIDTH=214 HEIGHT=224 BORDER=0><BR CLEAR=LEFT><BR> </P> </TD> <TD WIDTH=33%> <P ALIGN=JUSTIFY><IMG SRC="geschmoeker_html_5174246c.jpg" NAME="Grafik9" ALIGN=LEFT WIDTH=214 HEIGHT=229 BORDER=0><BR CLEAR=LEFT><BR> </P> </TD> <TD WIDTH=33%> <P ALIGN=JUSTIFY><IMG SRC="geschmoeker_html_m19bece33.jpg" NAME="Grafik10" ALIGN=LEFT WIDTH=214 HEIGHT=227 BORDER=0><BR CLEAR=LEFT><BR> </P> </TD> </TR> </TABLE> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><BR> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif">Nat&uuml;rlich nur in Verbindung mit dem Demutsgebot &quot;vor dem Herrn&quot;, das alle in h&auml;ssliche Markenware treibt und allen das Makeup und geistigen Esprit verbietet, mitunter sogar das Wort zum Selbstzweck, zum Spa&szlig; an der Sprach- und Artikulationsf&auml;higkeit des Menschen. Wer, wie die meisten Personen in Bayern, nur redet, weil er damit irgendwelche anderen, unausgesprochenen Interessen verfolgt, nicht aber, um sich geistig anzuregen und auszutauschen, - das mitunter nahezu als reinen Sex empfindet -, erwartet von seinen oder ihren Mitmenschen Pflichterf&uuml;llung an Arbeitsplatz und Ehebett, also Zeugen und Geb&auml;ren, im w&ouml;rtlichen und im metaphorischen Sinne. Das ist ungef&auml;hr die Perspektive auf das werterf&uuml;llte, nicht-oberfl&auml;chliche Leben, das durch die Pr&auml;sentation von Ansehnlichkeit und Attraktivit&auml;t als Hervorstechendes und Unallt&auml;gliches, das niemand einfach f&uuml;r sich in Anspruch nehmen darf, alle qu&auml;lt und zwingt. Wozu die Besch&auml;ftigung mit anderen und mit sich, mit seiner Umgebung, ihrem Erscheinungsbild und ihren anderen Eigenschaften, bis hin zu tiefgreifenden und tief verankerten, wenn auf keinen Fall eine Inspiration daraus hervorgehen darf, keine erkennbare Idee, kein erkennbarer Gedanke, keine Kulturleistung, die nicht l&auml;ngst integriert ist. In solchen &quot;Kulturen&quot;, wenn man sie so nennen will, in denen durch derartige Demoralisierung alles zu den angeblich nicht &quot;eitlen&quot; Alltagst&auml;tigkeiten gezwungen wird, reduzieren sich neben Freizeit und Unterhaltung als Pflicht gegen&uuml;ber dem arbeitsf&auml;higen K&ouml;rper kulturelle Ereignisse auf Pflichtveranstaltungen, die man aus sozialen Interessen und in Demut vor dem Ereignis selbst wahrnimmt, nicht etwa, um sich inspirieren zu lassen. Man oder fram d&uuml;rfen also keine Ideen entwickeln, wenn sie ins Theater gehen, eine Ausstellung besuchen, eine Zeitschrift lesen. Selbst und gerade dann nicht, wenn diese Angebote eigentlich dazu anregen k&ouml;nnten. Bekleidungsvorschl&auml;ge sind zur Kenntnis zu nehmen, um denselben Stil wie die Kollegin zu tragen, also nicht aufzufallen, was grunds&auml;tzlich unangenehm ist. Das gilt auch f&uuml;r Veranstaltungen wie das Theater oder ein Restaurantbesuch, selbst das tiefere Nachtleben ist soweit zum Anpassungsereignis geworden, das schlichtweg nirgends mehr ein Kleines Schwarzes getragen werden kann - nur als Beispiel. Bzw. eben, es kann im Fernsehen getragen werden, von den diversen Kommissarinnen oder anderen Schauspielerinnen. Die wenigen Refugien ungew&ouml;hnlicher Abendkleidung wie die Presseb&auml;lle und der Wiener Opernball best&auml;tigen als Ausnahmen nur diese Regel und Verderben zudem den Geschmack, lassen Schick und Stylish, die artikulatorische oder modesch&ouml;pfende Kompetenz von Jederfram, ins L&auml;cherliche und Radikal-Konservative abwandern, noch unterst&uuml;tzt von Verbindungs- und Deb&uuml;tantinnenb&auml;llen, auf denen lange Handschuhe und &quot;festliche&quot; Abendgarderobe im Stil von Tara und Twelve Oaks noch Pflicht sind. Dort jedoch ist nat&uuml;rlich keinerlei Originalit&auml;t gestattet. </FONT></FONT> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><IMG SRC="geschmoeker_html_md74b67.jpg" NAME="Grafik11" ALIGN=LEFT WIDTH=642 HEIGHT=430 BORDER=0><BR CLEAR=LEFT><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif"><FONT SIZE=1 STYLE="font-size: 8pt">Die wenigen Renitenten, die sich einfach nicht auf Grau, Blau und Braun reduzieren lassen m&ouml;chten, farbfleckig im Spiegelbild verteilt. Installation von bewegten Spiegelw&auml;nden, &Uuml;berwachungselementen und &quot;Auswertungsraum&quot; von Magdalena Jetelov&aacute; (&quot;Abflug&quot;, H2 - Zentrum f&uuml;r Gegenwartskunst, Augsburg)</FONT></FONT></FONT></P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><BR> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif">Angenommen also, die Fotoshootings oder Styling-Experimente aus den Serien &quot;America's Next Topmodel&quot; oder &quot;Germany's next Topmodel&quot; w&uuml;rden uns zu irgendetwas inspirieren. Oder auch nur die Produkthaufen, die uns Beauty-, Frauen- und Modezeitschriften so freundlich n&auml;herbringen. Fram s&auml;he dann vielleicht irgendwie auff&auml;llig aus, ohne 1,90 zu sein oder auch nur 1,85 ! (Mit Schuhen sind 1,80 ja durchaus eine nahezu erreichbare Gr&ouml;&szlig;e f&uuml;r zum Beispiel unser &quot;Model&quot; - also Vorbild f&uuml;r eine neue Konvention - Gina Lisa). Wenn man bedenkt, dass die harmlosen, lediglich &uuml;berkonnotierend pr&auml;sentierten Fotos mit Fragmenten von Latex um die ehemalige CSU-Politikerin Pauly dieser den Vorwurf des sonst liebevoll schlafm&uuml;tzelnden Fernsehtalkers Beckmann einbrachten, sie w&uuml;rde doch nun von niemandem mehr ernst genommen, darf man sich vor Auff&auml;lligkeit nat&uuml;rlich f&uuml;rchten. Auch Heidi Klums Anschlag auf Gina Lisas Extensions (die optisch absolut &uuml;berzeugenden Haarverl&auml;ngerungen), den diese nun endlich wieder r&uuml;ckg&auml;ngig machte (durch neue Extensions), &uuml;berzeugte als &uuml;bliches Attentat, das selbst eingeschr&auml;nkte KonventionalistInnen wie Heidi fast zwangsl&auml;ufig begehen, wenn sie auff&auml;llige Souver&auml;nit&auml;t im Umgang mit kulturellen Selbstdarstellungsformen- und -mustern bei unkontrollierten Einzelpersonen zur Kenntnis nehmen m&uuml;ssen. So etwas macht einfach Angst. Wer sich also anma&szlig;t, sich auch nur minimal individuell zu gestalten - es muss ja nicht zur Kost&uuml;mierung werden oder zur allt&auml;glichen Qual - muss auch mit Sanktionen rechnen. Als jeframd, der/die dann st&auml;ndig auf die Rationalit&auml;t und Angemessenheit ihrer Handlungen hin gepr&uuml;ft wird, unter Rechtfertigungszwang steht und, da all das noch h&auml;ufig im Bereich des Unausgesprochenen bleibt, mit seinem bzw ihrem Outfit all diese so hervorgerufenen &Auml;ngste und Nervosit&auml;ten - die mitunter noch als sexuelle Errregung empfunden werden - beruhigen muss ! Der inspirierte Alltag ist also reiner Stress? Oder Schulung in Sachen Souver&auml;nit&auml;t? Mir ist auf jeden Fall die Mutter lieber, die nicht ihr Kind zwanghaft in Clownskost&uuml;me steckt, sondern sich selber individuell stylt - auch hier ist Nina Hagen nat&uuml;rlich nur ein Extrem, nicht jede muss sich so schminken oder im Tutu herumlaufen. Aber wieder ist das andere Extrem, das selbst Anja Lukaseder, immerhin selbst bayerischen Gestbl&uuml;ts, mit ihren sch&ouml;nen Superstar-Klamotten selbst bei gro&szlig;st&auml;dtischen Kulturereignissen auffallen w&uuml;rde. Und das ist nunmal die absolute Schmerzgrenze, erreicht aus Gr&uuml;nden der allt&auml;glichen Dem&uuml;tigung zugunsten der allgemeinen Papstklamotte und der Anzugsordnung der aufgrund ihrer Sicherheitstheorien und -praktiken nicht mehr ernst zu nehmenden CSU. </FONT></FONT> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><BR> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><IMG SRC="geschmoeker_html_4599f83e.jpg" NAME="Grafik12" ALIGN=LEFT WIDTH=104 HEIGHT=173 BORDER=0><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif">Versace, Cavalli und andere Supermarken tr&auml;gt man hier nicht, weil man sie oder ihnen nachempfundene St&uuml;cke nicht f&uuml;r unbezahlbar h&auml;lt - Nachempfundenes, nicht Gestohlenes, ist mitunter im Bereich zwischen 1,- und 70,- Euro zu haben (man muss nat&uuml;rlich geschickt kaufen und sich im Internet auskennen - &Uuml;bertreibungen zwingen zu Einschr&auml;nkungen der Bewegungsabl&auml;ufe...) - , sondern deshalb nicht, weil man damit zu sehr auffallen w&uuml;rde. Es widerspricht einfach der Kleiderordnung, egal wo. Selbst wenn ich also bereit und f&auml;hig w&auml;re, z.B. 1.000,- Euro f&uuml;r ein schickes Kurzes von Cavalli hinzubl&auml;ttern, m&uuml;sste ich, als braves bayerisches &quot;M&auml;del&quot; (wir hei&szlig;en hier ja alle so, bis zum bitteren Ende), es mit einer Wolljacke von Esprit oder Strenesse bedecken, mit einer weiteren Marke also, die m&ouml;glichst &uuml;berteuert und optisch anspruchslos ist. Denn es geht ja um innere Werte, die eben mit der Demutspflicht verbunden sind - strenggenommen nicht einmal nur katholisch sondern auch in protestantischen Haushalten gerne beheimatet. Vielleicht, obwohl noch Ungl&auml;ubigen gegen&uuml;berstehend, tats&auml;chlich alles nicht nur eine verkehrte Welt im Sinne der Gedem&uuml;tigten sondern auch eine im Sinne des christlichen oder gar p&auml;pstlichen Erfinders, denn die demutsfreie, farbenfrohe Inspiration (schon z.B. bei Orsay zu haben) ist vielleicht n&auml;her am eigentlichen Triebziel des Zeugens und Geb&auml;rens.....oder kann sich tunc et nunc ideologiefrei entfalten....aber ach, das Dekulturalisierungsgeschehen bevorzugt auch da die Freudlosigkeit der Inszenierung von Qual und Pflicht. Also, ich nicht. Deshalb in unserem n&auml;chsten Beitrag und Special ein paar inspierierende Fotos, Thema inspiriert von Klums Model-als-Menu-Shooting, umgedreht zum Model-Menu-Shooting aus Pillen, Tomaten, M&ouml;hren und Joghurt - nat&uuml;rlich mit &Uuml;bertreibungen, die nur auf Fotos gehen (eine ganze M&ouml;hre statt das Parfait einer H&auml;lfte), aber jedefram anregen k&ouml;nnen, sich selbst witzig zu stylen und auf Parties und bei Kulturevents nicht durch braun-graue Gleichschaltung aufzufallen. Und an Leserinnen im Allgemeinen der Appell, von den Zerstreuungslekt&uuml;ren auch kulturelle Anregung zu erwarten, also redaktionelle Beitr&auml;ge, die inspirieren und nicht durch phrasenhafte Konventionalisierungskommandos schikanieren. </FONT></FONT> </P> <P ALIGN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0cm"><BR> </P> <P ALIGN=RIGHT STYLE="margin-bottom: 0cm"><FONT COLOR="#996633"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif">Fotos und Auslassungen Dr.U. f&uuml;r herzerl</FONT></FONT></P> <P STYLE="margin-bottom: 0cm; background: #996633"><FONT COLOR="#ffff00"><FONT FACE="Palatino Linotype, serif">LINKS: Zeitschriften genau besehen * Model-Menu Shooting * Note am Fuß: Nicht immer darf man mal fühlen, leider....</FONT></FONT></P> </BODY> </HTML>